LEISTUNGSDIAGNOSTIK UND HERZVARIABILITÄT.

Thea 21. Mai 20

Koordinationsübung bei der LD

Im Hochleistungssport zählt eine Leistungsdiagnostik zu den „Musthaves“. Zu meiner letzten Leistungsdiagnostik beim „Sporthomed“ kamen sehr viel Fragen, die ich über Instagram gar nicht alle beantworten konnte. Viele Fragen waren auch sehr ähnlich. Deshalb will ich kurz einmal skizzieren, warum ich eine LD (Leistungsdiagnostik) gemacht habe und es allgemein verständlich mit meinen Worten auch einordnen.

Grundsätzlich habe ich mit meinem Coach Norman Feiler von Anfang an immer kurzfristige (Wochen/Monate), mittelfristige (Monate/Jahr) und langfristige Ziele (Jahr/Jahre) formuliert. Um die Trainingszeit und den Aufwand optimal zu gestalten und zu nutzen, muss man wissen, was im Körper vor sich geht und wie man seine Fähigkeiten optimal nutzen kann. Zwar gibt es hier individuelle Unterschiede, aber generell sind alle Menschen nach dem gleichen Bauplan aufgebaut.

Deshalb ist es sinnvoll einen „Aufbau“ zu planen. Stichworte sind hier Mitochondrien-Entwicklung, Belastungsfähigkeit und individuelle Weiterentwicklung. Ich verzichte hier bewusst auf Ausdrücke wie GA1 und GA2, da ich hier nicht ein spezielles Trainingskonzept besprechen will, sondern warum LD und wie wir sie nutzen. Zu Beginn einer Trainingsphase ist es hilfreich eine LD zu absolvieren, da man hiermit Aufschluss über die Schwellenwerte bekommt:

  • • vL2 (2mmol Laktat)
  • • vL3 (3mmol Laktat)
  • • vL4 (4mmol Laktat)

Thea bei der Leistungsdiagnostik

Mit Hilfe dieser Werte sehen wir, was der Status quo ist. Wir absolvieren eine LD oder entsprechende vergleichbare Tests (10km, 15km Rennen), um zu sehen, ob wir das Training richtig gestaltet haben. In der Regel machen wir 2-3 LDs / Tests im Abstand von 8-12 Wochen, um den Leistungsfortschritt zu überprüfen. Konkret heißt das, wir überprüfen eine Weiterentwicklung der vL3, der anaerob-aeroben Schwelle. Ist diese bei jedem Test besser, haben wir alles richtiggemacht. Und es sollten Bestzeiten gelaufen werden. :-)

Allerdings ist das bei einem 40 Stunden Job „nebenher“ gar nicht so einfach. Mit der LD habe ich jetzt im Idealfall meine Schwellenwerte und habe eine Idee in welchen Trainingsbereichen wir laufen sollten. Aber dies ist auch nicht sklavisch zu sehen. Denn alle Schwellenmodelle gehen davon aus, dass es eine „feste“ Schwelle gibt, bei der z.B. bei der vL3 der aerobe in den anaeroben Bereich umschlägt. Dies ist allerdings nicht so. Man weiß heute, dass selbst im Ruhezustand auch anaerobe Stoffwechselvorgänge stattfinden. Ich habe es auch schon häufiger erlebt, dass Athletinnen bessere Schwellenwerte als ich hatten, aber dennoch die 10km deutlich langsamer gelaufen sind als ich. Hier spielt wohl auch die Genetik eine gewisse Rolle.

Warum dann eine LD? Sie bietet trotzdem sehr gute Anhaltspunkte dafür, ob die Trainingsreize richtig gesetzt wurden. Wichtig aus unserer Erfahrung heraus ist aber, dass nicht zu kurze Intervalle wie z.B. 3min Intervalle gesetzt werden. Dadurch verschiebt sich die Laktatanhäufung in spätere Bereiche und verfälscht aus unserer Sicht die Ergebnisse. Auch die Steigung am Laufband sollte berücksichtigt werden. Ich habe immer 4 x 2000m (Mittelstrecke), 4 x 3000m (Langstrecke) oder 4x 4000m (Marathon) Intervalle absolviert, um optimale Ergebnisse zu bekommen. Das ist zwar eine eher schweißtreibende Angelegenheit, aber lohnt sich dann wenigstens. ;-)

Allerdings ist jetzt noch die Frage, wie wir die optimalen Trainings-Bereiche auch Tag für Tag immer möglichst gut treffen? Ein Fulltime-Job und Hochleistungstraining beeinflussen sich natürlich auch immer. Aus diesem Grund haben wir schon relativ früh angefangen die HRV (Herzratenvariabilität) und den Ruhepuls morgens zu messen. In meinen Instagram-Stories habe ich dies schon dargestellt. Mit GPS Uhren lässt sich dies aus meiner Erfahrung heraus nicht zufriedenstellend messen, obwohl dies teilweise von den Herstellern versprochen wird. Wir haben deshalb entsprechend ein eigenes Messsystem, dass dies sehr genau messen kann. Mit Hilfe der HRV entscheiden wir anhand der morgens gewonnen Werte, ob z.B. ein geplantes Tempotraining überhaupt sinnvoll ist. Die HRV gibt relativ exakt an, wie die Belastung des Körpers sich darstellt und zwar nicht nur durch sportliche Aktivitäten. Auch Beruf, Privates, etc. spielen ja in die körperliche Verfassung hinein.

Dieser individuelle Ansatz richtet sich eben nicht nach einem Trainingsplan, sondern nach mir und meiner individuellen körperlichen Verfassung. Die Werte der LD und die HRV Werte geben meinem Coach in der Zusammenschau eine gute Einschätzung, wie die Belastung ausschauen soll. Häufig, aber nicht immer, deckt sich das auch mit meinem Gefühls- und Erscheinungsbild im Training. Da ich neben meinem Beruf auch nur ein bestimmtes Zeit- und Belastungsfenster zur Verfügung habe, erlauben uns diese Parameter eine effiziente, optimale und zielführende Gestaltung meines Trainings.