DO IT LONGER.

Thea 5. Mai 20

48 km beim WFLWR 2020!

Do it longer! Ein Motto, das ich vor zwölf Jahren, zu Beginn meiner Laufkarriere, verabscheut habe. Wenn mein Coach Norman Feiler mich damals auf eine längere Strecke als 800m schicken wollte, habe ich damit gedroht, aufzuhören.
Am 29.04.2019 gab ich mein Marathondebüt in Hamburg (2:36,10 h) und fast genau ein Jahr später stand mein erster Ultralauf, der Wings For Life World Run, vor der Tür.
Dank Corona Pandemie „nur“ als virtueller Lauf mit App und Handy.
Aufgrund der strengen Bayerischen Beschränkungen unmittelbar vor meiner Haustür im Englischen Garten in München auf einer 6.5km Runde.
Erst eine Woche zuvor hatte ich mit meinem Coach entschieden, einmal an dem Event teilzunehmen. Ich hatte gerade, Anfang April, eine zweiwöchige Saisonpause gemacht, und wollte den Aufbau für den Berlin Marathon im September starten, als die nächste „Corona-Bombe“ einschlug. Berlin Marathon und die meisten Großereignisse bis Ende Oktober gecancelt. Olympiaqualifikationen gelten erst ab 01.12.2020.
Die Hoffnung, nach den, dank Corona, abgesagten Frühjahrsrennen, auf einen heißen Rennherbst, mit einem Schlag zunichte.
Rennen stellen für mich eine sehr hohe Motivation dar. Nach einem acht Stunden Arbeitstag als IT Projektleiterin, ist es nicht immer einfach sich zu motivieren und vor und nach der Arbeit ein Hochleistungstraining zu absolvieren. Gerade die Aussicht auf Rennen, wo ich meine Form überprüfen kann, Menschen treffe und einfach reisen kann, stellt für mich eine essentielle Antriebsfeder dar, meinen Sport auf diesem Niveau zu betreiben.
Nun nur Leere. Eventuell monatelang keine Rennen. Ich hatte gerade seit zehn Tagen wieder mit dem Aufbau angefangen und schon hatten sich alle Pläne in Luft aufgelöst.

Wie in manch kritischer Situation in meiner Laufkarriere, hatte mein Coach den rettenden Gedanken. Schon länger hatten wir überlegt den „Wingsforlife World Run“ mitzulaufen. Das Format ist innovativ und passt ganz gut auch in Coronazeiten.
Allerdings kam ich gerade aus der Saisonpause und war noch nie länger als Marathon (42,195 km) gelaufen. Egal. Wir waren uns einig, dass es mental einfach eine gute Abwechslung sei und ein guter Zeitpunkt einmal einen Ultra zu laufen.
Kurzerhand meldeten wir acht Tage vor dem „WFL World Run“ ein Team #DOITLONGER an und meine ganze Trainingsgruppe (EIBLTEAM ISARTAL) war dabei, auch wenn jeder für sich allein laufen würde. Endlich wieder so etwas wie „Racefeeling“! Und da mein Team auch dabei war, hatte ich auch wieder das Teamgefühl, das ich beim Laufen sehr schön finde.

Beim Wingsforlife World Run geht die komplette Startgebühr (20,00 €) in die Rückenmarksforschung. Es war also ein bisschen wie beim Überraschungsei. Mit einer Anmeldung bekam man drei Dinge: man tat etwas Sinnvolles und Gutes, hatte ein Team bzw. „Wir“ Gefühl und ein Rennen.
Ich postete es auch am selben Tag auf meinem Instagram Kanal. Und dann entwickelte sich etwas, was ich nie gedacht hätte. Unsere Anzahl an Teammitgliedern stieg täglich an und unser Spendenziel (200,00 €), das nur an unserer Trainingsgruppe orientiert war, wurde schon am zweiten Tag weit übertroffen. Immer mehr Läufer meldeten sich an, plötzlich entstand über Social Media fast eine kleine Bewegung. Man schrieb sich, man postete, man motivierte sich. Ich war wirklich überwältigt, was ich an Nachrichten bekam. Jede einzelne freute mich und schnell wurde mir klar, dass es allen so ging wie mir. Egal ob Hobbyläufer oder Topathlet. Alle freuten sich gemeinsam zu Laufen, im selben Team.
Besonders berührte mich die Anfrage eines Läufers aus Italien, der sich noch im Lockdown befand. Dafür war die App nicht ausgelegt. Und obwohl er nicht in unsere Wertung einging, lief er 10km auf seinem Laufband.
Diese Einstellung, dieser Spirit war allen zu eigen, die mitmachten. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich die vielen Nachrichten freuten, die mich erreichten. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden zum Laufen inspirieren könnte. Es war sehr schön mit diesem Bewusstsein in ein Rennen zu gehen.

48 km beim WFLWR 2020!

Am 03.05.2020, 13.00 Uhr stand ich dann alleine, nur per Rad begleitet von meinem Coach, in München im Englischen Garten und gab mir selbst den Countdown, drückte den Startbutton auf meinem Handy und verstaute es in meinem Brustbeutel. Ich war noch nie vorher länger mit Handy gelaufen. Ziel war es einen lockeren Rhythmus zu finden im Bereich 4.05 min/km bis 4.10 min/km. Ich wollte ca. 40km schaffen, im Idealfall weiter laufen als Marathondistanz. Ich sollte das Tempo solange halten, bis ich herunterfalle und dann aufhören.
Für meinen ersten Ultra wählte ich meinen Lieblingsmarathonschuh, den Carbon Rocket von Hoka Oneone, mit 1mm Sprengung. Ich mag den Schuh und hatte damit noch nie Probleme.
Socken, wie immer, waren die Ultralightsneakers yellow von Underpressuresox, die ich selbst mitentwickelt habe. Da es um die 13 Grad war, wählte ich mein Running shorts und ein Top aus der neuen GOREWEAR Kollektion sowie meine Lieblings-Sonnenbrille, die Aerolite (Julbo Eyewear). Alles meine typische Racetools, die sich bewährt haben.
Obwohl allein laufend, hatte ich jetzt einfach das richtige Racefeeling.

Und es kamen mir einige Läufer entgegen, die ein „Wingsforlife“ Shirt anhatten und sichtlich dieselbe Mission hatten wie ich. Was für ein tolles Gefühl. Wir hatten bewusst darauf verzichtet auf bestimmte Rennpisten in und um München zu gehen, um hier einfach kein falsches Signal in Coronazeiten zu setzen. Obwohl die Strecke an sich trotzdem recht gut zum Laufen war (70% Asphalt, 30% Schotter), war das Menschenaufkommen am Mittag doch recht hoch, so dass man gerade in der ersten Stunde immer mal wieder abstoppen musste. Vor allem die Schafherde zog viele Familien an, die mit Rädern unterwegs waren, so dass kleine Ausflüge über den Rasen notwendig waren.

Meinen Rhythmus hatte ich gefunden. Es lief überraschend gut. Wie ein Uhrwerk konnte ich meine 4.06 min/km abspulen. Regelmäßig versorgt mit Maurten Flasks von meinem Coach, der gleichzeitig über Instagram noch Livebilder und Videos für den Instagram Kanal machte. Aber Ultralaufen ist etwas anders als das Laufen, welches ich bisher kannte. Zwar bin ich bewusst defensiv vom Tempo in das Rennen gegangen, aber so richtig anstrengend wurde es nie. Man wartet halt lange, bis was passiert. Richtig spannend wird es erst am Ende. Ein bisschen Aufregung hatte ich aber doch zwischendurch. Bei Kilometer 23 stieg meine App plötzlich aus und ich hatte von da an einen Kilometer weniger als auf meiner GPS Uhr. Letztlich war es mir aber egal, da ich mich gut fühlte und meine GPS Uhr einwandfrei funktionierte.

Die „Audio experience“, die von der App angeboten wurde, nutzte ich nicht, da ich mir nicht sicher war, ob mein Akku das mitmacht. Insofern wusste ich zu keinem Zeitpunkt, wie ich im Vergleich zu anderen lag. Als ich bei Kilometer 40 immer noch meinen 4.06 min/km halten konnte, wusste ich, dass ich heute den längsten lauf meines Lebens machen werde und damit auch unserem Team gut helfen konnte.

Die Vorstellung jetzt für „ein Team“ zu laufen, motivierte mich. Nach 2:52.40 h hatte ich die Marathondistanz erreicht und ab jetzt betrat ich Neuland. Jeder Schritt war jetzt Zugabe. Aber ich fühlte mich immer noch locker. Mein Carbon Rocket fühlte sich super an. Es machte richtig Spaß. Die Leute wurden auch weniger, das Laufen dadurch erleichtert. Und ich hatte jetzt den sogenannten Runners High. Die 45 km Marke überquerte ich nach 3:04,06h und es rollte sehr gut. Die Muskeln waren etwas steifer, aber es fühlte sich perfekt an. Bei Km 47 schaute ich dann auf mein Handy und sah, dass das Catcher Car nur noch 900m entfernt war, was ich fast etwas Schade fand, da ich noch gerne weiter laufen wollte. Nach App hatte es mich dann bei Kilometer 48,04 erreicht. Das war dann also mein erster Ultralauf.

Der Sprung ins Unbekannte hatte sich in jedem Fall gelohnt. Es hat Spaß gemacht und ich empfand es wesentlich weniger anstrengend als meine bisherigen Rennen von 400m bis Marathon.
Ultralaufen erfordert sicher andere Fähigkeiten als Läufe, die mehr Laktat erzeugen.
Mental haben mich sicher die vielen Zuschriften vorher und diese Team #Doitlonger Geschichte getragen. Mein GPS zeigte 49,14 km an, was ich später auch auf Strava hochgeladen habe (Aktivität auf Strava ). Ich denke, es ist der richtige Wert. Aber das nur zur Erklärung für diejenigen, die Strava ansehen.

Platzierungen sind sicher in einem virtuellen Wettkampf, wo jeder unter ganz unterschiedlichen Bedingungen, unterschiedlichem Terrain und mit unterschiedlichem Support antritt, eher zu vernachlässigen und eher eine Spielerei.

Für mich war es aber doch eine sehr wichtige Erfahrung. Noch nie bin ich zuvor so lange und so weit gelaufen. Noch nie hatte ich so viel Teamgeist aus der Laufcommunity erfahren und noch nie war ich so stolz eine LÄUFERIN zu sein.

99 Läufer aus 14 Nationen, 2083,20 km gesamt gelaufen, 21,70km im Teamdurchschnitt, 3.655,00 € an Spenden gesammelt ausschließlich über Startgebühren.
Ich bin so stolz auf jeden unserer 99 Teammembers, die dies in nur einer Woche möglich gemacht haben. Ich werde das nie vergessen und mein Ziel ist es mit jedem von ihnen einmal an einer realen Startlinie zustehen.

Läufer aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Schweiz, Slowakei, Frankreich, Tschechien, Schweden, Griechenland, Polen, Finnland, Slowenien, Malaysia und Mexiko haben trotz Corona Grenzen und Meere überwunden und sind für eine Idee gelaufen. Für die, die nicht laufen können.
Und das bedeutet mir sehr viel mehr als jede Zeit oder Platzierung.

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